Carol Fong-Mei Urkauf-Chen mit Tochter Johanna
Meine Mobilität

Von Taipeh nach Mattighofen

Carol Fong-Mei Urkauf-Chen hat vor 25 Jahren den angeschlagenen Fahrradhersteller KTM übernommen und mit unbeugsamem Willen wieder in die Gewinnzone geführt. Heute ist sie stolz, dass ihre Tochter Johanna ihr Lebenswerk weiterführt.

Lesedauer: 5 Min.

Ein chinesisches Sprichwort lautet: „Wer über jeden Schritt lange nachdenkt, steht sein Leben lang auf einem Bein.“ So etwas kann Carol Urkauf-Chen nicht passieren. Die 64-Jährige steht ihr Leben lang mit beiden Beinen auf festem Grund. Diese Standhaftigkeit war nötig, um die Kämpfe zu bestehen und die Erfolge zu erringen, auf die sie heute zurückblicken kann.

Sie kam der Liebe wegen von Taiwan nach Österreich, heiratete den Fahrradgroßhändler Hermann Urkauf, brachte zwei Kinder zur Welt und rettete die Fahrradmarke KTM vor dem Untergang. Das Unternehmen ist ihr Lebenswerk. Unter ihrer Führung wächst es jedes Jahr um zehn Prozent. „Ich musste alles alleine meistern“, sagt sie. „Berater waren teuer, die konnte ich mir nicht leisten. Bei meinen Entscheidungen habe ich mich immer auf meine Erfahrung verlassen.“

Als Kind will sie Lehrerin werden

Geboren wurde die Unternehmerin in Taiwans Hauptstadt Taipeh unter ihrem chinesischen Namen Fong-Mei Chen. Fong bedeutet Phönix und Mei Schönheit. Ihr Name spielt also auf unser geflügeltes Wort vom Vogel Phönix aus der Asche an, mit dem der Neuanfang nach einer Niederlage beschrieben wird. Das Mädchen ist das vierte Kind von acht Geschwistern. Die Familie lebte in einfachen Verhältnissen, der Vater war Schlosser. Fong-Mei war strebsam und lernbegierig. Sie ging gern zur Schule, sie liebte die Fächer Chinesisch, Geschichte und Geografie. Zu gern wäre sie selbst Lehrerin geworden. 

Aus Fong-Mei wird Carol

Es kam anders. „Um studieren zu können, mussten die Schulabgänger Aufnahmeprüfungen bestehen", erzählt Urkauf-Chen. „Und irgendwie bin ich bei diesen Prüfungen in die Betriebswirtschaftslehre reingerutscht.“ Vorbei der Traum vom Lehrerberuf. „Ich lernte an der Universität das internationale Handelsgeschäft kennen.“ Auf Anraten eines Professors legte sie sich einen spanischen Namen zu, der in aller Welt gut auszusprechen sei. Carolina gefiel ihr. Sie entschied sich für die Kurzform Carol. Nach dem Studium stieg sie in die Fahrradbranche ein. Auf dem chinesischen Festland war das Fahrrad das Fortbewegungsmittel Nummer eins. „In Taiwan“, sagt Urkauf-Chen, „gab es damals vergleichsweise viel weniger Fahrräder. Motorräder waren sehr beliebt.“ Also beschloss sie, ihre Landsleute fürs Radfahren zu begeistern. 

Der Liebe wegen nach Österreich

1984 gründete sie ihr eigenes Unternehmen in Taipeh. „Carol Cycles“ nannte sie ihre Firma. Kurz, bündig und persönlich. Sie stellte keine eigenen Räder her, sondern verkaufte Markenprodukte in alle Welt. Bis heute floriert der Vertrieb von Rennrädern, Mountain Bikes, Klapprädern, E-Bikes, Tourenrädern sowie Dreirädern und Rollern für Kinder. Eines Tages stand ein Österreicher vor ihr, ein Geschäftskunde. Hermann Urkauf war Fahrradgroßhändler, Sohn einer Kaufmannsfamilie. Die beiden verliebten sich ineinander, heirateten 1988 und Carol brachte zwei Mädchen zur Welt. 

Mitarbeiter an erster Stelle

Aktuelle Räder KTM
Aktuelle Räder KTM

1991 stand die renommierte KTM vor dem Aus. Hermann Urkauf kaufte den Fahrradbereich der Firma und die dazugehörenden Markenrechte für 35 Millionen Schilling, heute 2,5 Millionen Euro. „Es war eine gute Marke mit guter Qualität“, sagt Urkauf-Chen. „Trotzdem war das Fahrradgeschäft in der Krise. Ich habe mich damals schon gefragt, ob ein Fahrrad made in Austria wirklich Zukunft hat.“ Und tatsächlich geriet 1995 KTM-Fahrrad bald wieder in finanzielle Schwierigkeiten. „Das ist so grausam, wenn die Mitarbeiter zu Weihnachten in der Fabrik warten und dann kein Geld nach Hause bringen.“

Urkauf-Chen klapperte ihre Banken ab und räumte ihre Konten leer. „Dann eilte ich mit dem Bargeld im Stoffsackerl in die Fabrik und zahlte es den Mitarbeitern aus.“ Sie konnte sich die Finanzspritze leisten: „Meine Firma Carol Cycle in Taiwan war damals größer als KTM.“ 1996 setzte sich Hermann Urkauf in die USA ab. Sie musste nun über ihre Zukunft entscheiden. Sollte sie KTM schließen und mit den beiden Töchtern, damals sechs und zwei Jahre alt, zurück nach Taiwan ziehen? Oder sollte sie ins Risiko gehen und versuchen, die Firma mitsamt den Arbeitsplätzen zu retten? 

Alles auf Risiko

Carol Urkauf-Chen entschied sich fürs Risiko. „Dabei konnte ich kaum Deutsch, die Sprache habe ich erst in der Firma gelernt.“ Als Ausländerin ein österreichisches Unternehmen zu übernehmen, erlebte sie als unproblematisch. „Die Mitarbeiter baten mich, in Mattighofen zu bleiben. Und die Branche ist ja sowieso international.“ Vorbehalte begegneten ihr eher im Alltag, beim Einkaufen beispielsweise. „Anfangs wurde ich in den Geschäften gar nicht beachtet, geschweige denn bedient.“ Je besser sie Deutsch sprechen konnte, desto zugänglicher zeigten sich auch die Einheimischen. 

Sie modernisierte die Produktionsprozesse. Die Fertigungsmethoden hinkten zum Teil den internationalen Standards hinterher. „Damals wurden viele Rahmen schon geschweißt, aber wir haben noch mit Muffen gearbeitet. Das habe ich geändert. Es war eine große Umstellung, die nicht nur die Herstellung, sondern auch das Design betraf.“ Heute beschäftigt KTM 600 Mitarbeiter, die zuletzt etwa 325.000 Fahrräder produzierten, davon 200.000 E-Bikes. Der Umsatz stieg 2019 auf rund 400 Millionen Euro. Heuer soll die Produktion sogar auf 400.000 Fahrräder wachsen, die in mehr als 50 Länder der Welt exportiert werden. 

Die Tochter muss Verantwortung übernehmen

Vor zwei Jahren hat sie ihrer Tochter Johanna, 31, die Geschäftsleitung übergeben und wechselte selbst in den Aufsichtsrat. Trotz offiziellem Ruhestand sitzt sie noch immer drei bis vier Tage in der Woche im Büro, berät ihre Tochter. „Sie muss lernen, Verantwortung zu tragen. Aber sie hat großes Potenzial.“ Was die Mutter der Tochter mit auf den Weg gegeben hat? „Man muss sich immer weiterentwickeln und darf nichts verschlafen. Das ist gefährlich.“

Carol Fong-Mei Urkauf-Chen mit Tochter Johanna
Carol Fong-Mei Urkauf-Chen mit Tochter Johanna

Weltweit sind bereits tausende Brennstoffzellenfahrzeuge im Einsatz, neben Nutzfahrzeugen wie Gabelstaplern, Hubwagen, Kleinlastwagen und Bussen auch Autos. Bis 2025 stellen die Wiener Linien zehn Buslinien auf emissionslose Antriebe um. Doch es gibt erst wenige Wasserstoff-Tankstellen. In Österreich kann man lediglich an fünf Orten Wasserstoff tanken. Aber viele Unternehmen nutzen Wasserstoff für industrielle Zwecke. Das könnte ein Ausgangspunkt für den Aufbau einer flächendeckenden Infrastruktur für Produktion, Lagerung, Transport und Verteilung sein. Eine Herausforderung ist dabei die Speicherung: Wasserstoff ist in Verbindung mit Sauerstoff explosiv. Und er ist flüchtig. Er muss entweder in Hochdruckgasflaschen gespeichert oder verflüssigt werden. Letzteres bedeutet einen enormen Energieaufwand, da dafür eine Temperatur von unter - 200°C erreicht werden muss.

So wird Wasserstoff „grün“

Diese Hindernisse für eine Markteinführung von Brennstoffzellenautos sind nicht unüberwindbar. Aber sind sie überhaupt eine saubere, nachhaltige Alternative zu Pkw mit Verbrennungsmotoren? Auf den ersten Blick ja, denn so wie reine Elektroautos fahren sie emissionsfrei. Und ihr Antriebsstoff steht unbegrenzt zur Verfügung. Doch es gibt einen Haken: Wasserstoff kommt in der Natur nur in gebundener Form vor, etwa in Wasser oder Erdgas. Derzeit wird Wasserstoff aufgrund der vergleichsweise niedrigen Kosten noch vorwiegend aus Erdgas gewonnen. Da dabei das klimaschädliche CO2 freigesetzt wird, hat diese Methode keine Zukunft. In den letzten Jahren wird verstärkt an der Gewinnung von Wasserstoff aus Wasser per Elektrolyse gearbeitet. Dabei muss viel Energie aufgewendet werden. Wirklich „grün”, also CO2-frei, wird die Technologie erst, wenn der dazu benötigte Strom aus regenerativen Energiequellen wie Sonnen- und Windenergie stammt.

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